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Buchblick: Roman der Oper

Wagner und Verdi. Kaum zwei Komponisten sind so sehr als musikalische Gegenpole und Symbole ihres jeweiligen Herkunftslandes vereinnahmt worden. Franz Werfel, der sich Mitte der 1920er Jahre im Vorbericht zu seinem Roman der Oper zu seiner “Liebe”, “Begeisterung”, “ungetrübten Leidenschaft” für Verdis Musik und Person bekennt, setzt sich darin auch damit auseinander. Mit der Schwierigkeit des parallelen Daseins zweier Opernmeister. Mit einem Verdi, der mit seinem Nabucco die Seele des Risorgimento traf und zur phantasievollen Majestät wurde. Mit einem Wagner, der mit seinen sprühenden Ideen auch die italienische Jugend begeisterte – was den alternden Verdi, der an die Qualität der italienischen Melodie glaubt, nachdenklich macht. Alles das mitten im Venedig des Jahres 1883. Heute noch kommt man, fährt man den Canale Grande entlang, am Palazzo Vendramin vorbei, wo sich der deutsche Erfinder des Musikdramas einquartiert hatte. Allein, dass die Traviata bei ihrer Uraufführung (1853) im Teatro La Fenice durchgefallen war, möchte man bei diesem vielseits beliebten Opernhit um eine der ergreifendsten Liebesgeschichten kaum zu glauben. Im Schutze der Dunkelheit, im Willen unerkannt zu bleiben,  nähert sich Verdi in der Gondel den neuen, befremdlichen Klängen. Im La Fenice scharen sich die Jungen um den bejahrten Deutschen. Dass ihn das nicht loslässt, verrät Verdi nicht einmal seinem alten venezianischen Freund, dessen Söhne selbst den unterschiedlichen Lagern angehören. Eigentlich wollte er es niemandem verraten, dass er sich die Mühe gemacht hat, aus Sant’Agata, seinem ländlichen Refugium in Busseto/Provinz Parma, mit dem Zug anzureisen. Seinen Re Lear nach dem Stoff von William Shakespeare im Reisegepäck, der ihm ordentlich zu schaffen macht. Insgeheim weiß er, dass er seinen Nabucco nie mehr losgeworden ist und nie mehr überwinden wird können. In seinem geheimen Quartier in der Lagunenstadt sitzt er am Klavier und ertappt sich dabei, wie er in den gehörten Klängen aufgeht. Lange hadert er mit sich, versucht den Gedanken daran zu verdrängen, dass er die Partitur seines Antipoden in seinem Kästchen versperrt hat. Lange ringt er mit sich im morbiden Umfeld, bis er sich eines Tages ertappt, wie er an die Pforten des Palazzo Vendramin klopft.

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