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Das Chamäleon ist ein Beizli

Im Dunstkreis der Domglocken, einen Steinwurf vom Mozarthaus Vienna entfernt, wo der joviale Kompositeur dereinst seinen Figaro schrieb, ist man dem schweizerischen Flair näher als man glaubt. Etwas abseits vom Kärntnerstraßentrubel findet man – etwas versteckt – das Chamäleon . In der Blutgasse – der Grund für die Benennung des mittelalterlichen Kothgässel schimpft sich unbekannt – wird man bald von Schweizer Fähnchen und einem herzlichen “Grüezi!” empfangen. Besonders einladend zu der Zeit, in der die Knospen aufspringen, ist es, draußen auf dem Pflaster zu sitzen und sich an den im Umkreis angebrachten Bartspiegeln zu amüsieren wie sich an der Gesellschaft kunstbeflissener Passanten zu erfreuen.

Das Chamäleon in der Blutgasse 3, 1010 Wien.  | Foto: Klaus Oberrauner


Dem Motto: „Fondue isch guet u git e gueti luune“ wird man hier mehr als gerecht. Reicht doch die Palette vom Klassischen Käsefondue und zahlreichen Variationen – mit Äpfeln, Tomaten, Engadiner Kräutern, Champagner, Schrimps oder Pilzen – bis hin zum Schokoladenfondue. Auch der Hobelkäse, Bündnerfleisch und Sbrinz dürfen neben der Schweizer Käsevariation nicht fehlen. Zum Dessert, einer hausgemachten Rueblitorte etwa, kann man Kaffee aus der Schweiz genießen wie den mit Obstler in wenig Kaffee und heißem Wasser aufgegossenen Cafe Lutz oder den Cafe Schümli Pflümli mit Zwetschkenbrand.

Inhaber Hans Schmid, aus der Hotellerie kommend, ist sehr zufrieden mit seinem „Beizli“, das er vor sieben Jahren mit dem exotischen Tiernamen übernommen hat: „Unsere Idee ist es, die Schweizer Küche und die Schweizer Käse in Wien vorzustellen. Chamäleon passt auch irgendwo zur Schweiz, weil wir ja da ganz gut sind uns anzupassen.“ Herr Schmid stammt aus dem Berner Oberland – „aus dem Gebirge“: „Frutigen heißt der Ort, Frutigland. Das ist in der Nähe von Interlaken, wird man kennen. Die Österreicher kennen oft auch die Lauberhorn-Abfahrt oder Adelboden, wo der Schiweltcup ab und zu zu Hause ist.“ Durch die Internationale Konzernhotellerie wurder er vor vierzehn Jahren aus Bukarest nach Wien geschickt. „Und dann bin ich, wie sie sagen, in Wien picken geblieben.“ Gemeinsam mit zwei Kollegen betreibt er das kleine, gemütliche und geschmackvoll eingerichtete „Beizli“: „Wir sind hier zu zweit, zu dritt – und alle machen alles. Putzen, waschen, servieren, kochen, dekorieren.“ Der sympathische Wirt schmunzelt: „Und die Gäste müssen selber kochen.“ So hat er gleich das Konzept im Mund: „Fondue ist sehr kommunikativ, weil alle etwas zu tun haben.“ Obwohl das Vegetarische hinsichtlich des fleischliebenden Österreichers eine kleine „Crux“ ist, wird das Angebot des Lokals sehr gerne angenommen. Schließlich „kann man vorher ein bisschen Bündnerfleisch nehmen.“ Neben dem Genuss, der „Stimmigkeit, dass alles passt“, ist Hans Schmid das Preisleistungsverhältnis und die Authentizität ein ganz besonderes Anliegen: „Ich bin eher für das Ursprüngliche, das Authentische. Die Kuh hat noch einen Namen und Hörner. Sie gibt die Milch auf der Weide auf der Alp. Dann ist der Käse da und das Außergewöhnliche dieses verderblichen Produkts.“ Im Chamäleon wird man also niemals teuer verhungern: „Ich möchte nicht, dass die Leute hinausgehen und sagen, wo ist der nächste Würstelstand? Man bekommt hier auch Nachschlag, wenn man möchte. Ein Supplement.“ Einen Teil des heimeligen Interieurs steuern KünstlerInnen bei, welche die Gelegenheit wahrnehmen, Bilder auszuhängen, die zum Verkauf stehen.

Gemütlichkeit im Chamäleon umgeben von Kunst. | Foto: Klaus Oberrauner


Auch internationales Publikum lockt das „Beizli“: „Wir haben Touristen, lokale Ausländer von den Botschaften, auch Stammgäste aus Tasmanien. Der junge Schweizer Verein hat hier jeden ersten Donnerstag im Monat seinen Stammtisch. Weiters kommt gerne der Club der ehemaligen Schweizerkinder, um der Nostalgie zu frönen. Es sind die Österreichischen Kinder, die nach dem Krieg in die Schweiz verschickt wurden. Für die OSZE und die Botschaft machen wir gemeinsam mit dem Käselieferanten Andrzej Koch Caterings.“ Täglich von 11:00 – 24:00 Uhr, außer Sonntags, kann man hier gutes Essen schnabulieren, das es sonst nirgends gibt: „Authentisches, richtiges Schweizer Fondue bekommen Sie nur da. Und Schweizer Kaffee und andere Schweizer Schmankerln. Die Leute fühlen sich bei unsrem Service gut aufgehoben“, freut sich Hans Schmid, der augenzwinkernd einen wertvollen Tipp für Fondue-Hungrige parat hat: „Man soll schon sehr langsam essen und nichts überstürzen. Nicht schlingen, denn sonst ist’s bald genug. Man muss langsam und gemütlich machen, sich Zeit nehmen.“ Und die größte Freude des Wirten? „Man geht wieder hianus und hat gute Laune, die Welt ist wieder in Ordnung für einen Moment. Und selber ist man wieder aufgetankt für die neue Woche.“ Was bleibt ist ein von Herzen aufrichtiges, fröhliches: Uf widerluege! Im Chamäleon.

Das Chamäleon im Chamäleon. | Foto: Klaus Oberrauner 


[Klaus Oberrauner, KulturToDate, April 2016 | Fotos: Klaus Oberrauner]

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