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Filmnotiz: Geliebte Clara (2008)

“Hab Dank, meine geliebte Clara für Alles, was Du mir armen Künstler thust.” – schreibt Robert Schumann 1838 an die er sein Herz verloren. “Es gehört sehr viel Liebe dazu, um nicht neidisch zu werden auf ihr Glück, Sie gerade jetzt zu sehen.” – schreibt Johannes Brahms kurze Zeit vor dem Tod Roberts an dieselbe Frau, die sein platonisches Verlangen ins unermessliche steigerte. Clara, als Wunderkind geltend, von ihrem gestrengen Vater zur Perfektion getrimmt, ist eine der anerkanntesten Pianistinnen ihrer Zeit. Selbst der gestrenge Kritiker Eduard Hanslick sah in ihr das Ideal einer Virtuosin. Eine starke Frau und Mutter. Mit einem ihrer gerühmten Konzerte in Hamburg setzt der Film ein. Im Anschluss, in einer Hafenkneipe, offenbart sich der Boden des Dramas, als sich der junge Musiker Johannes Brahms (Malik Zidi) in Clara (Martina Gedeck) verschaut. Die Darstellung eines exzentrischen Komponisten Robert Schumann (Pascal Greggory), der zusehends an dem hochauferlegten Arbeitspensum – so an der Arbeit seiner “Rheinischen” Sinfonie, der scheinbar eingebildeten Eifersucht und paranoiden Wahnvorstellungen zugrunde geht, finde ich – entgegen anderer kritischer Meinung – durchaus gelungen. Sie besorgt dem Film das Spannungsverhältnis, das er braucht und der fatalen Dreiecksbeziehung, die sowohl Clara als auch Johannes mit Anstand nehmen, eine erschütternde Würze. “Meine geliebte Clara” schreibt Barhms 1855. “Könnte ich Sie herwünschen oder mich zu Ihnen!” Trotz der lauernden Ahnung, dass es nicht mehr geben könne, als eine tiefe verehrende Freundschaft. Wie sie. Und die wohlwollende Anerkennung ihres Gemahls. Ein Film, an den man nicht allzuhistorische Erwartungen setzen darf, der aber eine sehnsüchtige Berührtheit zurücklässt. Und Brahms lauscht am Ende lächelnd ihren Klängen.

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