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Filmnotiz: Wahnfried (1986)

Vor dreißig Jahren entfaltete sich die Geschichte einer verbotenen Liebe über den Bildschirm. Ein kompaktes Monument von Peter Patzak. Wie das Werkmonolith der Hauptfigur – eines von Otto Sander kongenial verkörperten Richard Wagner – baut sich der Bildreichtum. Um dessen ehrgeiziges Bestreben, Oper und Drama auf der eigens dafür gebauten Bühne in Bayreuth zur Aufführung zu bringen. Um das Eintauchen in die Welt seines Parzival. Um die umfelderregende Beziehung zu Cosima. Die mehrfach ausgezeichnete Tatja Seibt bedient auf bemerkenswerte Weise die kühlen, kraftvollen gleichwie emotionsgeladenen Züge der kraftvollen Frau von Franz Liszts (Anton Diffring) Blut und aus einer verblühten Liebschaft mit Hans von Bülow (Peter Matić), der sich auch als Dirigent der urphantastischen Musikdramen hervortat. Sie vergöttert ihn, besteigt mit ihm sprichwörtlich den Olymp seines Schaffens. Sie lurcht sich schleifend an den Saum seines opulenten Morgenrocks. Sie verneint die ungute Eifersucht, die in seinen Schwärmereien für die jungen, ambitionierten Sängerinnen steckt. Auch im Rotlicht aufreibender Träume. Im Dunstkreis der dünnen, altbackenen “Weihrauchmusik”, die ihr Vater durch ihr neues Zuhause schickt. Wahnfried. Noch immer in der Absicht mit ihm, dem großen Wagner, gemeinsam vor Gottes Thron zu treten, nimmt sie in Venedig seinen Segen entgegen. Als entsinne er sich der eingänglich eingehämmerten Worte – „Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.“ Ein Film, der seinen Anspruch hat. Der darauf wartet, dass man sich auf ihn einlässt. Ein Film, der schlucken lässt. Ein Film, der nachdenken macht. Aber auch schmunzeln. Wenn man daran denkt, wie Wagner dem besonderen Besucher Friedrich Nietzsche (Christoph Waltz) mit dem Zweifel begegnet, dass man mit schonender Kost doch gar nicht zu denken imstande wäre. Oder wie sich der Komponist, wenn er auch vom Altersruhm träumt, in juveniler Frische – wohlbejubelt – von der Loge seines eigenen Bühnenhauses turnt und sich auf die Bühne schwingt, um der Sängerin für ihre Darstellung in mythischer Vorzeit persönlich sein Lob auszusprechen.

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